Wir sind wieder auf Reisen

Lang ist es her, aber wir haben es mal wieder geschafft und sind für ein paar Tage nach Kappl (Österreich) gefahren, um zu wandern und die Berge zu genießen. Heute haben wir daher ein kleines Tagebuch verfasst.

Tag 1

Ach ja, der erste Tag ist wie immer unspektakulär. Wir saßen im Zug und sind von Leipzig nach Kappl gefahren. Aber Moment!? Von Leipzig? Jap, genau richtig gelesen, von Leipzig. Wir haben eine kleine Stippvisite in Leipzig eingelegt, damit wir zum einen nicht zu viel Zeit auf den Bahnhöfen verbringen und zum anderen wollten wir beide noch mal nach dem rechten in Annes Wohnung schauen und vereinzelte Sachen von Anne umpacken. Natürlich haben wir dies  genutzt, um am Tag zuvor noch durch die Stadt zu schlendern und bei Burger Heart etwas Leckeres zu essen. Daher sind wir dann am Sonntag von dort aus Richtung Kappl gestartet.

Tag 2

Heute geht es aber wirklich los. Das Wetter ist prächtig schön da liegt dem ersten Berg nichts mehr im Wege. Also aufi gehts. Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir gemeinsam mit Annes Eltern los gestiefelt, um zum Kappler Kopf (2404m) zu Wandern. Der Start hierbei, wie auch bei allen anderen Touren, ist der Alpengasthof Dias auf 1863m. Für Flachländer und Berg verrückte ist die Tour auch echt passend für den Einstieg in einen grandiosen Wanderurlaub. Auf den Hinweg sind wir entspannt durch den Wald und dann über den Zufahrtsweg an der unteren & oberen Sessladalpe vorbeigewandert. Ab der oberen Sessladalpe geht es, wie schon zwischendurch, dann endlich auf schmale Wanderwege und es werden schnell Höhenmeter gemacht. Als Orientierung kann man hier immer die Niederelbehütte auf 2310m nutzen. Von der Hütte bergauf ist es nicht mehr weit bis zum Kappler Kopf. Oben angekommen kann man einen grandiosen Blick auf die umliegenden Berge erhaschen. Nach einer kurzen Genießer-Pause ging es wieder zurück, vorbei an der Niederelbehütte und dann auf dem Kieler Höhenweg am Berg entlang zurück. Hier mussten wir dann einer der Skipisten von Kappl kreuzen und dann durch den Wald zwischen den Pisten nach unten wandern. Jetzt haben wir uns aber ein Kaiserschmarrn verdient. Jetzt heißt es nur noch die Natur und das Wetter genießen und den nächsten Tag mit der nächsten Tour planen.

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Tag 3

Den darauffolgenden Tag wollten wir nutzen und auf die Kreuzjoch-Spitze wandern. Hierbei war die Tourenplanung allerdings nicht ganz so einfach, da der Wetterbericht Regenschauer und Gewitter gemeldet hat. Am frühen Morgen sollte dann die finale Entscheidung getroffen werden. Ab 12 Uhr sollte es Gewitter geben und so starteten wir bereits 7 Uhr, um diesem aus dem Weg zu gehen und rechtzeitig in der Niederelbehütte Schutz zu suchen. Wir starteten bei wunderbarem Wetter. Die Sonne schien und es war für 7 Uhr in der Früh so warm, dass wir im T-Shirt gehen konnten. Nur in der Ferne hat man die dunklen und schweren Wolken sehen können. Also stiegen wir über den Wald an der Dias auf und kamen nach ca. 40 Minuten auf den Kieler Höhenweg. Dieser zog sich recht lange bis wir an der Niederelbehütte angekommen sind. Hier wollten wir entscheiden, wie es weitergeht, da es sich immer weiter zugezogen hat und auch immer kälter und windiger wurde. Ein Gewitter oder auch Regen in der Höhe und in dem Gelände kann zu einer Herausforderung werden. Der Wetterbericht meldete auf einmal, dass sich das Gewitter um eine Stunde verschoben hat. Also stiegen wir auf zum Kreuzjoch, denn wir hatten noch gut zwei Stunden Aufstieg vor uns. So ging es erst gemütlich oberhalb der Niederelbehütte durch Wiesen und Gräser und vereinzelt über Geröllfelder. Dann kam ein etwas steilerer Anstieg, an dem man allerdings recht schnell Höhenmeter hinter sich lassen kann. Anschließend querten wir zügig einen Hang, denn man konnte recht leicht erkennen, dass dieser sehr stark steinschlaggefährdet war und leicht ins Rutschen kommen kann. Weiter ging es über Geröllfelder über bis zum Schwarzsee, welcher noch komplett vereist und zugefroren war. Hier erwartete uns auch das erste richtige Schneefeld, die vorherigen konnten wir relativ gut umgehen aber hier hatten wir keine Möglichkeit und mussten also mittendurch. Schnellfelder auf Geröllfeldern können tückisch sein, da man hier schnell einsinken oder durchbrechen kann. Wir folgten aber den bereits vorhandenen Spuren und kamen damit ganz gut nach oben. Weiter oben ging es dann auf den Bergrücken auf das Kreuzjoch hinaus. Links und Rechts recht steile Wände, welche einen staunen lassen, wie tief es nach unten gehen kann. Menschen mit Höhenangst sollten lieber auf den Weg schauen. Hier kam eine kurze Kraxelstelle, an dem kann über einen Felsen hinauf musste. Für unerfahrene oder auch ängstliche Menschen gibt es im Fels Bohrhaken, um sich mit einem Seil sichern zu können oder auch, wenn die Bedingungen schwierig sind. Kurz vor dem Gipfel wird das Gelände noch mal schwieriger, denn es ist steil und durch den lehmigen Boden kann man leicht ins Rutschen kommen. Einige hundert Meter tiefer kann man den Schwarzsee von oben bestaunen. Genau an dieser Stelle fing es plötzlich an zu regnen. Dabei hat es der Wetterbericht um diese Zeit nicht gemeldet. Wir zogen also fix unsere Regenjacken an und gingen die letzten fünf Minuten auf den Gipfel.

Johannes machte einen schnellen Gipfelbucheintrag. Diese mögen immer wie eine kleine Erinnerung wirken, haben aber eine wichtige Bedeutung. Wenn einem etwas am Berg passieren sollte und gesucht wird, hat die Bergrettung einen genaueren Anhaltspunkt, wo man sich aufgehalten hat und wo man womöglich sein könnte. Aus diesem Grund ist es besser den Weg, den man wieder absteigen möchte einzutragen und das Datum und die Uhrzeit, an dem man sich auf dem Gipfel befunden hat auch einzutragen. Nach dem Eintrag gab es noch ein schnelles Gipfelfoto und dann haben wir uns auch auf den Abstieg begeben. Auf einmal kam eine riesige Wolkenwand von unten nach oben hereingezogen. Es ist erstaunlich welche Geschwindigkeit Wolken erreichen können und es war auch gleichzeitig ziemlich beängstigend.

In der Grundschule lernt man meist, dass warme Luft aufsteigt und zusammen mit Feuchtigkeit zur Gewitterbildung beitragen kann. Wenig später kam dann auch der erste Donner aus der Ferne. Gewitter am Berg sind mein persönlicher Endgegner und ich musste mich zusammenreißen, nicht komplett in Panik zu verfallen. Johannes war zum Glück mein Ruhepol und wir konnten zügig weiter absteigen. Trotz des Regens konnten wir die Kraxlstelle gut absteigen. Hierbei hatte ich plötzlich ein merkwürdiges Gefühl in den Händen, welches sich wie ein Kribbeln angefühlt hat. War es die aufgeladene Luft? Das Gefühl ging zum Glück recht schnell wieder weg und wir hatten wieder das große Schneefeld vor uns. Da ich Wanderstöcke dabei hatte, war das herunterrutschen recht einfach und spaßig, denn es war etwas wie Skifahren. Nur das letzte Stück im Schnellfeld wurde es kurz schwierig, da ich bis zum Hintern eingebrochen bin. Hier half es nur, sich auf den Bauch zu drehen und heraus zu robben. Am Schwarzsee angekommen war das Gewitter dann auch vorbei und ich konnte die Tour wieder genießen. So stiegen wir weiter zu Niederelbehütte ab und ließen diese auch direkt hinter uns, da das nächste Gewitter in zwei Stunden kommen sollte. Es fing wieder an zu regnen und so mussten wir den restlichen Weg im Regen absteigen. Kurz vor der Dias kam dann das nächste Gewitter, doch wir konnten uns dann schnell ins Warme und trockene flüchten. Insgesamt waren wir 6:30 Stunden unterwegs und hatten uns die Käsesahnetorte und den Apfelstrudel mehr als verdient. Die Tour hat uns wieder gelehrt, wie schnell das Wetter in den Bergen umschlagen kann und man nicht dem besten Wetterbericht nicht immer vertrauen kann. Aus diesem Grund sollte man auch bei dem schönsten Wetter immer warme Sachen dabei haben.

Tag 4

Der darauffolgende Tag startete sehr verregnet und grau. Aus diesem Grund entschieden wir uns nur eine kleine Tour zu machen und diese auch etwas gemütlicher angehen zu lassen. Somit gingen wir auf den Kappler Hausberg. Wir hatten Glück, da es erst kurz vor der Dias anfing zu regnen und zu donnern. Der Regen hörte wiederum sehr schnell auf und wir konnten uns eingekuschelt in der Daunenjacke auf die Terrasse setzen.

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Tag 5

Auf dieser Tag startete verregnet und der Wetterbericht meldete auch den kommenden Tag viel Regen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen bereits zwei Tage eher abzureisen. Den letzten Tag gingen wir in der Kletterhalle in Imst klettern und versuchten dabei dem schlechten Wetter etwas aus dem Weg zu gehen. Abends hieß es dann nur noch Sachen packen und wir saßen mit anderen Gästen und dem Wirt noch bis zum späten Abend zusammen.

Auch wenn das Wetter nicht mitgespielt hat, hatten wir dennoch eine schöne Zeit. Kappl ist definitiv immer eine Reise wert und es gibt auch für uns noch viel zu entdecken.

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